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Training für den Untergang - was tun, wenn die Yacht sinkt 2009-04-28
Ein Training zeigt dem Skipper, wie er auf See sein Leben retten kann!!

Jeder erfahrene Skipper kennt die Situation: Mitten auf der See zieht schwarz drohend ein Gewitter herauf, es weht plötzlich stärker. Nun sollte alles an Bord ganz schnell gehen. Jeder Handgriff - hundertmal in Gedanken durchgespielt - muss sitzen. Alles an Bord muss festgezurrt und gegen Verrutschen gesichert werden. Rettungswesten und Lifebelts, eingepickt in die rasch gespannten Sorgleinen, sind ab jetzt Pflicht. Die Segelfläche will verkleinert, die Rettungsmittel müssen ein letztes Mal gecheckt werden.!!
Wenn alle Luken dicht sind, ist es höchste Zeit, mit der Crew eine Schwerwetterstrategie zu besprechen: Welcher ist der sicherste Kurs? Liegen Nothäfen an der Strecke? Nicht unterschätzt werden sollte auch die Verpflegung während eines Sturmes mit leichter Kost und warmen Getränken.!!

So weit die Theorie. "Das Problem liegt zumeist nicht im fehlenden Kenntnisstand der Segler", sagt Jens Konnopke. Oft fehle es schlicht an der Umsetzung, so der erfahrene Segelausbilder. Wie in der Praxis Reaktions- und Handlungsfähigkeit bei schwerem Wetter oder einem Seenotfall verbessert werden können, zeigt ein zweitägiges, nach Richtlinien der International Sailing Federation (ISAF) zertifiziertes Schiffssicherheitstraining, das unter anderem von der Segelschule Goor in Lauterbach auf Rügen angeboten wird. "Die Sturmvorbereitung beginnt vor dem Auslaufen der Yacht", sagt Philipp Schwarz.!!

Der Ausbilder in der Segelschule weist unermüdlich auf die Bedeutung des Wetterberichtes hin: Die Wetterlage sollte von mehreren Stationen eingeholt werden, und zwar vor Befahren des entsprechenden Reviers, rät der Segler, der nebenbei selbst eine kleine Segel-und-Surf-Schule auf der Insel Rügen betreibt. Grund seien die verschiedenen Wettersituationen, die auch in einem relativ kleinen Gebiet vorherrschen können.!!

"Wenn man als Skipper schon vorher weiß, dass beim bevorstehenden Törn mit Schwerwetter zu rechnen sein wird, sollte man bei der Wahl der Charteryacht auf die Ausstattung mit einem konventionellen Groß achten", ergänzt Kollege Jens Konnopke. "Ein Rollgroßsegel kann sich bei Wind und Welle schon mal verhakeln." Wenn das bei einem aufziehenden Sturm der Fall sein sollte, "dann muss das Segel schnell weg, um ein Querschlagen der Yacht zu verhindern", erklärt der seit 2005 auch im Charterbereich tätige Segellehrer. In einer solchen Situation helfe nur noch ein scharfes Messer.!!

Doch der Schiffssicherheitskurs, der nach den ISAF-"Offshore Special Regulations", Punkt 6.01, Voraussetzung für die Teilnahme an Seeregatten der Kategorie 2 (Hochsee) für mindestens 30 Prozent der Mannschaft vorgeschrieben ist, konfrontiert die Teilnehmer auch mit dem möglichen Fall eines Leckschlagens der Yacht. So etwas geschieht schnell etwa beim nächtlichen Rammen eines über Bord gegangenen Containers. Doch auch hier muss guter Rat nicht teuer sein: "Bei kleinen Lecks ist es oft ausreichend, ein Kissen oder eine Automatik-Rettungsweste in das Rumpfloch zu stecken - und diese dann auszulösen", weiß Jens Konnopke aus eigener Erfahrung.!!

Schwierig werde es jedoch, wenn das Leck schwer zugänglich hinter einem Schott oder einer Bordwand versteckt liege, sagt der Segellehrer. In diesem Fall hilft nur noch, sich möglichst rasch Platz zu schaffen, um an das Leck heranzukommen und es zügig abdichten zu können. "Hier hat sich schon oft eine kleine, scharfe Axt als sehr hilfreich erwiesen, mit der die störende Bordwand weggehauen werden kann", rät Konnopke den Kursteilnehmern Jürgen Stasch aus Erlangen, Torsten Scheil aus Halle und den Segelfreunden Udo von der Ahe und Gotthold Marschner aus Dresden.!!

Für die Kursteilnehmer am ISAF-Schiffssicherheitstraining ist es daher eine sehr gute Gelegenheit, einmal in Ruhe ausprobieren zu können, wie es ist, eine Fallschirmsignalrakete zu zünden, einen Rauchtopf zu aktivieren oder auch ein Feuer selbst mit einem Feuerlöscher zu ersticken. "Nach diesem Praxistraining werde ich mich sicherer fühlen, wenn ich mit meiner Frau und den Kindern mit einer gecharterten Yacht im Mittelmeer unterwegs bin", verspricht sich Skipper Torsten Scheil von dem Schiffssicherheitskursus. "In einer Gefahrensituation schnell und richtig reagieren zu können" wünscht sich Segler Gotthold Marschner von dem Speziallehrgang, der übrigens für alle Interessierten offen ist.!!

Bei Goor in Lauterbach heißt das aber auch: Alle Segler müssen ins Wasser. Nein, nicht in den eiskalten Greifswalder Bodden direkt vor der Haustür, sondern in das einer der nahen Schwimmhallen. "Die Kursteilnehmer sollen am eigenen Leib erleben, wie es sich anfühlt, mit Ölzeug im Wasser schwimmen zu müssen: Da kommt man sich schnell vor wie eine bleierne Ente. Oder wie schwer es ist, aus eigener Kraft in eine Rettungsinsel zu klettern. Und dann: wie eng und stickig es schließlich darinnen zugeht", sagt Segellehrer Jens Konnopke.!!

Doch nicht nur die Enge einer Rettungsinsel oder das Gewicht von Ölzeug sollen die Wassersportschüler kennenlernen. Bei dem Kurs nehmen sie auch die Erkenntnis mit, dass es unter Umständen, etwa wenn schweres Wetter droht, die sicherste Variante bedeuten kann, einen Hafen anzulaufen - oder gar nicht erst auszulaufen, getreu dem Motto: "Sicherheit geht vor Schnelligkeit."!!


© Copyright : http://www.welt.de/die-welt/article3539974/Wenn-der-Untergang-geprobt-wird.html

Diese Info wurde eingegeben vom User sailorsworld
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