Sailors World
Neues/Info's aus dem Mittelmeer


Die Balearen, Traum oder Alptraum

Am 2.8. 99 sind wir nach 3 wunderschönen Jahren in der Türkei und Griechenland wieder wohlbehalten auf unserem Ausgangspunkt und Heimatrevier, den Balearen eingetroffen.
Obwohl wir zwischenzeitlich einige Winterwochen auf Mallorca verbracht haben, während Veligandu sicher in Finike oder Antalya lag, waren wir dennoch nicht auf die immensen Veränderungen vorbereitet, die uns hier erwarteten. So liefen wir also am 2.8 99 in Mahon auf Menorca ein, wo wir, als  hätten wir es geahnt, per email von unterwegs einen Platz an der Isla Clementina reserviert hatten. José, der Boss der Truppe von Ribera S.L. hatte uns diesen auch per email rückbestätigt und so legten wir unter dem Gezeter des jungen Marineros, der uns unbedingt wieder vertreiben wollte, unbeirrt an.

Mahon war der erste Schlag!

Der Ankerplatz gleich steuerbords hinter der Einfahrt  -  voll!
Der Ankerplatz hinter der Insel, der, obwohl man ohne Wasser, Stromund Müllabfuhr vor eigenem Anker liegt abkassiert wird   -  voll !
Die Cala Llonga - Moorings  -  voll!
Der Stadtkai  -  voll!
Die Isla Cristina, kleinere und schwellreichere neue Schwester der Isla Clementina  -  voll, von der Isla Clementina gar nicht zu reden. Letztere schien über den gesamten August ohnehin fest in Händen der Segler und Motorbootfahrer aus Barcelona, die (nicht nur uns) wegen ihres Kolonialgehabes äusserst unangenehm auffielen. Gegrüsst wurde prinzipiell nicht, weder die locals noch uns Ausländer, dafür rambomässig angelegt, nach dem Motto "der soll doch ausweichen". Auch der schöne weisse Wasserschlauch, Eigentum der Ribera S.L. (Betreiberin der Islas und der Moorings) und allen Yachties zur Verfügung stehend, fand seinen Weg in die Backskiste einer Protzyacht mit Riesenflybridge aus, woher wohl, richtig: Barcelona.

Dass unser Wasserschlauchadapter dann ebenfalls den Weg auf eine barcelonesische Segelyacht fand, hat uns dann schon kaum noch gewundert......
So voll hatten wir die kleine Schwester Mallorcas, Menorca noch nie erlebt. Ein genervter Franzose machte an der Isla Clementina fest, er hatte in allen (!) Südbuchten vergeblich versucht, zwischen den sich berührenden, dicht an dicht ankernden Yachten ein Plätzchen zu finden. Auch unser Ausflug entlang der Ostküste nach Addaya und hoch nach
Fornells zeigte ähnliche Zustände: volle Ankerplätze, dazwischen mit Wonne dahinrasend Powerdinghis und Wasserskis, Jets und wie die Dinger alle heissen. Auch der Ankerplatz von Addaya war voll belegt, allerdings können flachgehende Boote ganz nach hinten in die rechte Bucht, wo wir auf 1m Wasser ankerten und sehr gut lagen.
Ende August machten wir uns dann auf die Rümpfe gen Mallorca. Um es vorauszuschicken: wer hier noch einen Liegeplatz im Hafen sucht, muss entweder reich sein oder über immense Beziehungen verfügen. Wir hatten 1994 und 1995 einen Liegeplatz in Puerto Alcudía, der uns damals pro Jahr ca. 7000,-- DM kostete. Auf meine Anfrage nach diesem Platz teilte uns der Hafenmeister  gequält mit, dass zunächst mal nichts frei sei und wenn, dass sich derselbe Platz dann heute auf sage und schreibe 26.000 DM /Jahr belaufe..........noch Fragen?
Aber auch die Monos in der 10-12m Klasse kommen nicht viel besser weg, auch hier liegen die Preise bei ca. 14 - 18000 DM/Jahr, je nach Hafen. Die Reservierungsliste für Palma ist auf 4 Jahre ausgefüllt, Auskunft Real Club Nautico.
Nun ist man als altgedienter Fahrtensegler ja Kummer gewöhnt und findig in der Suche nach geeigneten Buchten. Auf Mallorca allerdings muss in allen in Frage kommenden Buchten der Schwellboogie mit einkalkuliert werden, es sei denn, man verholt sich auf die spärlichen guten Naturhäfen, Pto. Sóller oder Pto. Colom. Wenn, ja wenn es da nicht die nationalistische Politikerin Munar, Präsidentin des mallorcinischen Inselrates gäbe, die es sich aufs Banner geschrieben hat, Mallorca den Mallorcinern wiederzugeben. Unter dem Mäntelchen "Öko" plant die Umweltministerin der Balearen, Margalida Rosselló, sowohl Pto. Soller als auch Pto. Colom für freiankernde Yachten zahlenmässig zu begrenzen. Ferner soll eine Meldepflicht der Ankerer und, natürlich, Ankergeld eingeführt werden. Bereits in diesem Jahr wurden während der Hochsaison im Schnitt 600-1000 Ptas von den Ankerliegern verlangt, wobei man sich schon fragt wofür? Man hängt am eigenen Eisen, hat weder Strom noch Wasser und es kommt auch kein Dinghi vorbei (so wie zum Beispiel im Nationalpark Kornati!) der den Müll der Yachten abholen würde.
Aber selbst wer sich angesichts solcher Abzockermethoden noch nicht unangenehm berührt fühlt, dem kann es nicht egal sein, mit welcher Polemik derzeit in den Medien speziell gegen die Deutschen vorgegangen wird. Einerseits will wohl kein Mallorciner ernsthaft die alten, weil armen Zustände zurückhaben, andererseits aber vergrault man gezielt bestimmte Urlaubergruppen. Um eines klarzustellen, ich will hier keinesfalls eine Lanze für die "Ballermänner" brechen, aber hier zielt alles darauf ab, nur noch absolute Luxustouristen auf der Insel zu "dulden", die möglichst viel Geld ausgeben sollen, die mit Millionenyachten die Häfen füllen und sich auf den (wasserverschlingenden) Golfplätzen in gepflegter Langeweile ergehen sollen. Als Fahrtensegler sind wir in weitaus ärmeren Ländern fast immer sehr herzlich willkommen geheissen worden und so bedrückt es uns, dass ausgerechnet in unserer "Zweitheimat" sich ein spanischer Autor des Blattes Diario de Mallorca nicht schämt, die (devisenbringenden) deutschen Urlauber an der Playa de Palma als biertrinkende "gilipolas" (dumme Säcke) zu beschimpfen.
Bleibt nur zu hoffen, dass die nationalistische Welle, die ja offensichtlich leider weltweit immer beliebter zu werden scheint, nicht allzu heftig überschwappt und Mallorca für alle, die es lieben, eine schöne Insel bleibt, auch wenn Ottonormalsegler sich hier keinen Liegeplatz mehr leisten kann!

(Karin und Fritz Gerkhardt, Katamaran Veligandu, Prout 37)

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