Gute Seemannschaft bedingt tägliches Wetter-hören, in modernen Zeiten auch "lesen". Viefältig sind derzeit die Möglichkeiten: angefangen vom guten alten Radio, wo man Deutsche Welle und, bei entsprechenden Sprachkenntnissen Radio Marseille hört, über Aushänge an den Häfen und Marinas, dem lokalen TV, über SSB (Offenbach) bis hin zu den mannigfaltigen Angeboten auf dem Internet.
Mit letzterem haben wir in den letzten Jahren die allerbesten Erfahrungen gemacht. Via Handy und als Kunde bei Compuserve (mit eigenen Knoten in jedem Land, daher muss kein Auslandsgespräch geführt werden!) laden wir täglich 4-6 verschiedene Wetterdienst und -karten und können uns daraus ein ausserordentlich komplexes Bild der Wettersituation machen.
Da die Adressen der Internetwetterdienste zu häufig wechseln, bieten wir unseren CD-Rom-Nutzern die Möglichkeit, immer aktuelle Adressen von unserer Seite www.terranautic.net/sailorsworld zu laden.
Dort findet man unter "Wetter" immer die aktuellen Anbieter.
Hier der Vollständigkeit halber und für "Nichtnutzer" des Netzes, die Frequenzen der Radiostationen:
Deutsche Welle, 6.075, 9.545 kHz, 1655 UTC (Sommerzeit eine Stunde vorher)
Radio Österreich, 6.155, 13.730, 15.410 und 17.870 kHz, 1545 UTC (30.3.-31.10.)
Radio Nacional de Espana 585, 729, 738 und 855 kHz, 1000, 1300, 1700, 2100 OT, Sommer 1h früher
France Inter 162 kHz
Radio Marseille 1.242 kHz 1005 und 2005 OT
Mallorca und Menorca bieten normalerweise in den Sommermonaten beständiges Mittelmeerwetter (Ausnahmen wie 2000, mit viel Wind von Lyon und kräftiger Bewölkung bestätigen die Regel...).
Aufgrund der Insellage hat jede Küste ihren eigenen Wind, Kaps verstärken den Effekt. So herrscht in der Bucht von Palma, stabile Wetterlage vorausgesetzt, zumeist ein Südwest in variierender Stärke, über mittag zunehmend und gegen abend wieder einschlafend.
Der vorherrschende Wind ist der Tramontana, ein Nordwind (Mistral in Lyon, Maestral an der Costa Brava) der trocken und kalt von der französischen Küste ins Mittelmeer pfeifft. In Lyon erreicht er zumeist Sturmstärke, auf Menorca kommt auch noch gut ein 7er an, wenn es in Lyon 8-9 hat.
Je weiter man nach Süden vordringt, desto mehr nehmen die Inseln Menorca und Mallorca Wind weg, dennoch ist er immer mit Vorsicht zu geniessen.
Besonders auf Menorca trifft er natürlich mit ungebremster Wucht und macht sich selbst noch in den Südbuchten unangenehm bemerkbar.
Dennoch haben wir ihn speziell im Sommer als nicht unangenehm empfunden (sofern man auf einem sicheren Ankerplatz war!!), bringt er doch kühle, trockene Luft.
Ganz im Gegensatz dazu der heisse, schwüle Südwind, in stärkster Ausführung "Sirocco". Er entsteht, wenn ein Tief entlang der Nordküste Africas ostwärts zieht. Er kündigt sich meist mit einem ockergelbfarbenen Streifen am Horizont an und bringt, sofern er stark genug weht, Saharasand mit, der alles, aber auch alles an Bord und auf Deck gnadenlos versaut. Stundenlange Schrubarbeit ist der Crew danach sicher....
Er startet eigentlich trocken in Afrika, nimmt aber auf seinem Weg übers Meer soviel Feuchtigkeit auf, dass man sich vorkommt wie in einem schlecht gelüfteten Friseursalon.
Rasmus sei Dank hält er meist nicht lange an.
Der Levante ist ein E-Wind und entsteht, wenn ein Tief zwischen den Balearen und Afrika hängt. Er tritt durchschnittlich 8-10 pro Jahr in Sturmstärke auf.
Normalerweise herrschen moderate Winde in der Sommersaison vor, allerdings lässt sich daraus keine Regelmässigkeit ableiten. Die Wetterfrösche haben eine Zahl von rund 70% festgesetzt, während der normalerweise Schwachwind herrscht. Wie überall, so verändert sich aber auch im Mittelmeer das Wetter ständig aufgrund der Beeinflussung durch Umweltverschmutzung, Ozonloch etc.
Man ist immer gezwungen, Wetter zu beobachten, zu hören und auch den Funk nicht ausser Acht zu lassen, umschlagendes Wetter wird per Sturmwarnung über Ch 16 angekündigt und dann auf Arbeitskanälen angesagt. Auch über Navtex werden Sturmwarnungen durchgegeben, nur leider nicht immer rechtzeitig.
Auch die Wolkenbeobachtung kann hilfreich sein, tauchen zigarrenförmige Wolken in wattiger Struktur auf, so ist binnen kürzester Zeit mit einem starken Tramontana zu rechnen, der gleichzeitig die See auf Wellenhöhen von 2-4m auftürmt.
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