Heute startet vor Gran Canaria die 24. Atlantic Rally for Cruisers. Aber dieses Mal ist St. Lucia nur Zwischenziel
Ein Schiff drohte sogar schon unterzugehen. Nach einem schweren Sturm 2005 drang in die "Caliso", eine Yacht vom Typ Sweden 42, so viel Wasser ein, dass die Besatzung das Schiff mitten auf dem Atlantik verlassen und von einem anderen Schiff aufgenommen werden musste.
Eine Atlantiküberquerung ist auch heute noch ein reizvolles Abenteuer für Segler. Nur so ist es zu erklären, dass trotz Wirtschaftskrise und knappen Budgets dieses Jahr 218 Besatzungen und ihre Schiffe bei der Atlantic Rally for Cruisers (ARC) dabei sind. Die Teilnehmer kommen aus 32 Ländern, so vielen wie noch nie. Am heutigen Sonntag soll es losgehen.
Seit 1986 segeln jedes Jahr Fahrtensegler von Las Palmas auf Gran Canaria ausgehend über den Atlantik nach St. Lucia auf den Antillen. Die Yachten fahren nebeneinander aufgereiht einen ähnlichen Kurs. Die Mannschaften können anderen Schiffen in Not auf diese Weise schnell zu Hilfe eilen. Dennoch wird jede Crew allein mit Wind, Wetter und Wellen kämpfen. Wie in den Vorjahren ist bei der 24. Auflage der Atlantic Rally for Cruisers von Decksalonyachten bis zu Katamaranen und Racern, die besonders schnell segeln, alles dabei. Ein bunterer Querschnitt der internationalen Bootsbaubranche ist sonst bei keinem anderen Rennen dabei. Zwischen zwei und drei Wochen brauchen die Segler für die rund 2700 Seemeilen.
Die atlantische Rallye ist dieses Jahr nur Auftakt für eine noch größere Reise. Denn nachdem sich die Segler von den Strapazen der Atlantiküberquerung erholt haben, geht es im Januar kommenden Jahres für viele gleich weiter, und zwar mit einem Törn um die Welt. Für die meisten Fahrtensegler ist das die Verwirklichung eines Traums - unter Obhut eines Veranstalters, aber doch auf sich gestellt segelnd den Globus zu umrunden. Meist sind solche Abenteuer nur Segelprofis vorbehalten, die durch Landcrews und ausgeklügelte Logistik über die Meere gelotst werden. In diesem Fall übernimmt der World Cruising Club, der Veranstalter der Atlantic Rally, die Führung. Zunächst geht es von der Karibik aus weiter durch den Panama-Kanal in den Indischen Ozean zu den Cook Inseln, danach nach Australien, vorbei an Südafrika und noch einmal über den Atlantik zurück zum Startort. Im März 2011 wollen die Segler wieder in der Karibik sein.
Von insgesamt 38 teilnehmenden Schiffen an der World-ARC kommen acht aus Deutschland. Manche Segler haben sich seit Jahren darauf vorbereitet, zum Beispiel Dieter Dahlmann, Skipper der "Lady Ev VI", einer Bavaria 47. Der 66-Jährige hat die Atlantic Rally bereits 2004 gemeistert, nun stand ihm der Sinn nach einem größeren Abenteuer. "Ich bin allerdings kein Aussteiger und finde die Idee deshalb sehr gut, unter einer Organisation zu segeln", sagt der Dortmunder. Jeweils drei bis vier Segler werden sich auf seinem Schiff während der einzelnen Etappen aufhalten. Insgesamt zwölf Segler, darunter sein künftiger Schwiegersohn, sind mit von der Partie. Schwere See erwartet sie unter anderem vor Südafrika. "Ich segle seit 50 Jahren und seit Jahren auf hoher See", sagt Dahlmann. Angst habe er nicht, Respekt müsse man aber stets haben.
Acht Kojen an Bord seines Schiffes verchartert Reiner Schäfer aus Saarbrücken auf seiner Yacht "Sunrise", einer Jeanneau Sun Odyssey 43 während der World Rally. Er selbst nimmt an dem Törn zumindest bis Australien teil. "Manche Teilnehmer wollen nur ein Teilstück mitfahren, das ist bei mir an Bord möglich", sagt Schäfer, der seit 15 Jahren im Mittelmeer, in der Karibik und in Asien segelt. Dass sich selbst Nicht-Segler hier den Traum erfüllen können, einmal Teil einer Welt-Umsegelung gewesen zu sein, hebt Schäfer besonders hervor. "Zwischen den längeren Passagen gibt es immer wieder Auszeiten, und wir bieten zum Beispiel Insel-Hopping zwischen den Cook Inseln an", sagt er. Vor Tahiti bestehe die Möglichkeit, an einer regionalen Spaß-Regatta teilzunehmen. Schäfer selbst hatte die Atlantic Rally schon viermal absolviert, mit der World Rally will er sein Schiff einmal um die ganze Erde schicken.
Auch die World-ARC ist wie die Atlantic Rally eine Regatta, die vor allem auf Sicherheit und Spaß ausgelegt ist. Nicht ohne Grund: So können totale Flauten die Segler bei der Überquerung der Ozeane tage- oder sogar wochenlang im Griff haben wie auch ausgewachsene Stürme. Auch werden seit einigen Jahren die Passatwinde, die um diese Jahreszeit Richtung Westen wehen und die Segler vorantreiben, unbeständiger. Zum Teil wird dafür die Klimaveränderung verantwortlich gemacht. Außerdem sind diese Passatwinde Geburtsstätte heftiger Stürme, die als Hurrikane in der Karibik relativ oft für schwere Verwüstungen sorgen.
Zu diesem Zeitpunkt allerdings, sollten die "Welt-Segler" schon weit entfernt sein.
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