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Wohnmobilklärwerk auch boottauglich 23-11-2009
Mit eingebautem Mini-Klärwerk unterwegs

Wir waren gespannt wie ein Flitzebogen, ob und wie dieses Mini-Klärwerk, das der Kastenwagenausbauer HRZ in Öhringen mehr als zwei Jahre lang entwickelt hat, im Wohnmobil funktioniert. Jetzt waren wir mit dem damit ausgestatteten Typ Toskana unterwegs und können die frohe Botschaft verkünden: Es klappt! Wir fangen daher diesmal mit der Toilette an, denn wir halten den Aqualizer für ziemlich sensationell, für einen ähnlich Komfortsprung wie die Ablösung der Toiletteneimer durch die ersten Porta Pottis. Wie es technisch funktioniert, steht im Kasten auf dieser Seite, hier geht es um die Handhabung.

Die freistehende Toilette ist im Heckbad plaziert, das über die ganze Breite des Mobils reicht. Man benutzt sie wie gewohnt, nimmt wasserlösliches Toilettenpapier und startet mit dem Spülknopf nicht nur einen druckvollen Wasserstrahl, sondern auch den Zerhacker, der direkt hinter dem Abfluss sitzt. Der lärmt zugegebenermaßen heftig. Aber er zieht sich alles rein, zerhackt es und leitet es in den Klärbehälter weiter.

Gelegentlich muss man dem Geschäft selbst nachhelfen
In der Praxis haben wir festgestellt, dass man viel Wasser braucht (der Toskana hat nicht von ungefähr einen 145-Liter-Tank) , und man muss die Hinterlassenschaften manchmal nachdrücklich Richtung Zerhacker bugsieren, wenn man dafür nicht literweise Wasser opfern will. Dieses kleine, lösbare Problem ist der Tatsache geschuldet, dass der Aqualizer nachrüstbar ist. Und dann kann der Zerhacker nur in dem Raum für die Toilettenkassette untergebracht werden, daher hat der kurze Weg dorthin nur ein geringes Gefälle. Wer sein Mobil selbst ausbaut, kann hier für einen steileren Winkel sorgen, was die Sache erleichtert. Ansonsten ist vom Aqualizer kaum etwas zu hören, gelegentlich surrt leise eine der Pumpen (der Kompressorkühlschrank ist lauter) , oder es gluckert ein bisschen, wenn es aus dem Klärbehälter in den Abwassertank tröpfelt. Unsere Meinung: eine tolle Sache.

Autarkie in Sachen Toilette: Um das Abwasser kümmert sich das Miniklärwerk Aqualizer

Der Aqualizer ist geeignet für die dauerhafte Nutzung durch zwei Personen im Reisemobil. Er zersetzt auf biologischem Weg Fäkalien, Urin sowie wasserlösliches Toilettenpapier und wandelt sie in Grauwasser um, das in den normalen Abwassertank geleitet und darüber entsorgt wird. Man startet den Prozess mit zwei Esslöffeln einer pulvrigen Bakterienmischung, die man ins WC schüttet und runterspült, der Nachschub an organischem Material bei Dauernutzung „ernährt“ das System, um das man sich nicht weiter kümmern muss. Erst nach drei oder vier „trockenen“Tagen muss man es mit frischen Bakterien wieder starten. Der Zersetzungs- und Umwandlungsprozess entspricht dem in einer kommunalen Kläranlage und kommt ohne jede Chemikalienhilfe aus. Das hat dem Hersteller, HRZ Reisemobile in Öhringen, das Institut für Siedlungswasserbau und Abfallwirtschaft der Universität Stuttgart bescheinigt. Der Aqualizer besteht aus dem Behälter für den Umwandlungsprozess (73×45×34 Zentimeter, 45 Kilogramm) mit Pumpen und Filteranlage sowie einem Zerhacker unmittelbar hinter dem Toilettenabfluss. Er ist nachrüstbar, weil der Zerhacker genau in den Raum für die jetzt überflüssige Toilettenkassette passt. Da das System für den automatischen Betrieb der Pumpen ständig ein wenig Strom verbraucht, wird es im HRZ-Mobil Toskana serienmäßig mit einem Solarpanel kombiniert. Das garantiert auch bei trübem Wetter, dass genug Strom für den Betrieb des Aqualizers vorhanden ist und die Wohnraumbatterie nicht strapaziert wird. Das System kostet 1980 Euro plus Zerhacker (davon gibt es mehrere Modelle für etwa 300 bis 500 Euro) plus Einbau, und es ist für fast alle Wohnmobile (und auch Boote) nachrüstbar.
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