Bedroht: WWF zieht Bilanz für das abgelaufene Jahr 2008
Das Artensterben in der Tierwelt geht weiter
Umweltverband kämpfte vergeblich für den Roten Thunfisch. Aber es gibt auch Hoffnung, etwa für den Wolf in Deutschland.
Das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten geht unvermindert weiter. Aber es gibt für manche bedrohte Art auch Hoffnung. Dies betont der Umweltverband WWF zum Jahreswechsel und nennt exemplarisch Gewinner und Verlierer aus der Tierwelt für das abgelaufene Jahr 2008.
Zwei Riesen zu Land und zu Wasser geht es wieder besser: Die Bestände der Buckelwale werden inzwischen auf mehr als 60 000 Tiere geschätzt. Die für ihre harmonischen Unterwasser-Gesänge bekannten Wale werden seit vier Jahrzehnten nicht mehr bejagt und erreichen nun immerhin fast ein Drittel ihres ehemaligen Bestands. Die Weltnaturschutzorganisation IUCN stufte sie auf ihrer Roten Liste deshalb auf "kaum gefährdet" zurück. Vom nachlassenden Jagddruck durch gutes Management profitiert auch der Afrikanische Elefant in Süd- und Ostafrika. Die dortigen Zuwächse überwogen die Verluste durch Wilderei (vor allem in Zentralafrika) .
Der Wolf komplettiert das Gewinner-Trio, mit Blick auf Deutschland: Trotz Anfeindungen aus der Jägerschaft und Verlusten durch Autoverkehr hat er verlorenes Terrain zurückgewonnen - etwa 40 Tiere leben derzeit in der Bundesrepublik und pflanzten sich auch dieses Jahr erfolgreich fort. Ganz anders sein spanischer Vetter, der Iberische Luchs. Nach WWF-Angaben gibt es in zwei kleinen Rückzugsgebieten nur noch 25 fortpflanzungsfähige Weibchen, die IUCN schätzt den Gesamtbestand auf 84 bis 143 erwachsene Tiere. Sie leiden vor allem unter dem Verlust ihrer Lebensräume. Zusätzlich schwindet ihr Hauptbeutetier, das Kaninchen, durch Krankheiten und Bejagung.
Für einen weiteren Verlierer hat der WWF gerade noch gekämpft: Die Umweltschützer forderten im November einen Fangstopp für Roten Thunfisch im Mittelmeer, weil seine Zahl in den vergangenen Jahren um bis zu 90 Prozent abnahm. Stattdessen dürfen im kommenden Jahr 22 000 Tonnen gefischt werden, auch während der Laichzeit im Mai und Juni.
Die nächsten Verwandten des Menschen, die Menschenaffen, stehen als Gruppe auf der Seite der Verlierer, bedauert der WWF. Gorillas, Schimpansen, Bonobos und Orang-Utans stehen auf der Roten Liste der IUCN mindestens als "stark gefährdet", so der WWF. Sie leiden vor allem durch die Abholzung ihrer Wälder, aber auch unter Seuchen, Wilderei und Bürgerkriegen.
Auf dem absteigenden Ast befinden sich auch die Amphibien. In Deutschland sind zwei Drittel aller Arten bedroht, im Weltmaßstab ist es knapp ein Drittel. Allein 2008 kamen global 366 neue Amphibienarten auf die Rote Liste, dort stehen nun 1983 Amphibien-Namen. Aber auch ein ganz besonderes Reptil, der einsame Georg: "Lonesome George" ist der letzte Vertreter der Unterart der Galapagos-Riesenschildkröte, die auf der Insel Pinta lebte. George fristet sein Dasein in einer Forschungsstation. Er lässt sich nicht mit Verwandten paaren - der Untergang einer Unterart.
Unter dem Strich gebe es keinen Grund zur Entwarnung, so WWF-Artenschutzexperte Volker Homes: Trotz "vereinzelter Silberstreifen am Horizont" dauere das vom Menschen verursachte Artensterben mit "gnadenloser Schnelligkeit" an.
erschienen am 30. Dezember 2008
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